Monster frisst Verstand

Ein Labubu ist etwa so nötig, wie Haare auf den Zähnen. Und doch gibt es Sammler*innen, die wohl alles dafür tun würden.


Aufgepasst! Das Warten hat ein Ende: Ein neuer Labubu-Drop füllt die Läden und Onlineshops. Die glitzernden Exemplare muss man unbedingt seiner Sammlung hinzufügen. Doch die Chance, eines schnell genug zu erwischen, ist gering. Deshalb: Ab in die Läden, so viele Überraschungsbo-xen hamstern, wie es das Budget erlaubt, und hoffen, man erhält das neuste! Nur für CHF 44.95 im Manor. Inklusive Mehrwertsteuer. Klingt sehr einladend, oder? Trifft es «unwiderstehlich» auch?

Durch das virale Marketing auf TikTok sind die Labubus ein weltweites Phänomen geworden. Lisa aus der koreanischen Popband «BLACKPINK» preist seit Anfang 2024 fleissig Anhänger und Plüschtiere in Labubu-Form an und bezeichnet sich als grossen Fan. Durch ihre Aussagen zu Labubus wurde aus dem kleinen Spielzeug ein riesengrosser internationaler Hype. Wang Ning, der Gründer der Marke «Pop Mart», freut sich auf jeden Fall besonders, so viele Menschen an der Angel zu haben; denn durch die grosse Nachfrage wurde er 2025 zum Multimilliardär.

Exklusivität durch Verknappung

Wie wird man mit dem Verkauf von bedenklich originellem Spielzeug so reich? Indem man eine funktionierende Idee zu Gold macht. Im Fall Pop Marts liegt die Strategie in der Verknappung: Die sogenannten «Blind-Boxes» regen durch die Unwissenheit über deren Inhalt den Sammlerinstinkt an, wodurch Menschen Unmengen an Geld für industrielle Massenware aus Plastik und Kunstfell ausgeben. Doch was sagt das über unsere Konsumgesellschaft aus? Das Auspacken wird zum Spiel und die Aufregung triggert unser Belohnungssystem; die Nachfrage nimmt rasant zu, das Angebot bleibt klein, die Preise steigen ins Absurde. Es scheint, als ob das Sammeln auf Gegenseitigkeit beruht: Menschen sammeln Figuren und damit Dopamin, das Unternehmen Pop Mart sammelt Kund*innen und eine ganze Menge Geld.

(Quelle: https://www.ebay.com/)


Der Labubu-Hype ist Kasing Lung zu verdanken, der die Labubus ins Leben gebracht hat. Ursprünglich existierten sie nur auf Papier: In der Kindergeschichte «The Monsters», die im Jahr 2015 erschienen ist, konnte man den als hilfsbereit und nett beschriebenen Elfen mit spitzen Zähnen erstmals begegnen. Der 53-Jährige chinesische Künstler hat sich von nordischen Sagen inspirieren lassen, da er seine Kindheit in den Niederlanden verbracht hatte. 2019 begann seine Kollaboration mit Pop Mart. Wahrscheinlich hat es sich für ihn durchaus gelohnt.

Aus Labubu wird Lafufu

Wenn ein Unternehmen – und dazu noch ein chinesisches – Erfolg mit einem Produkt hat, erstaunt es kaum, dass bald Kopien davon auftauchen. Am bekanntesten sind die in China produzierten «Lafufus». Der Name kommt einem irgendwie bekannt vor, oder? Auch sie haben grossen Erfolg, trotz offensichtlicher Illegalität. Der Grund: Mit dem tieferen Preis werden sie von Leuten gekauft, die sich ein originales Labubu nicht leisten können.

Das Phänomen Labubu spiegelt unsere kontemporäre Gesellschaft, in der solche Mikrotrends wie Atompilze aus dem Boden schiessen. Aber wie beispielsweise beim Tamagotchi aus den 90er-Jahren, wo man sein virtuelles Haustier regelmässig füttern musste, oder der bekannten Dubai-Schokolade gilt dabei eines: Es ist ein Trend, und er ist so schnell vorbei, wie er gekommen ist. Man lässt sich mitreissen und wartet dabei schon auf den nächsten Trend. Trends sind wie ein Karussell, das niemals stillsteht.

1:0 für den Konsumismus.

Egal! Ein oder zwei Labubus machen ja keinen Unterschied. Man arbeitet schliesslich aus einem Grund; wieso sollte man sparen, wenn man sich für 45 Franken ein kurzes, aber süsses Glücksgefühl besorgen kann? Alle anderen machen auch dasselbe, was würde man sonst mit seinem Geld anstellen?

Zum Schluss, hier noch zwei Insider-Tipps: Falls man kein ultraseltenes Monster erwischt hat, nur keine Sorge! Es gibt noch unzählige Inserate auf eBay. Je nach Seltenheitswert muss man jedoch etwas tiefer in die Tasche greifen. Die budgetfreundlichste Lösung geht jedoch so: In ungefähr einem Jahr werden die Labubus vermutlich auf der Müllhalde zu finden sein, da versteckt sich sicher das eine oder andere glitzernde Monster. Unser immer wärmeres Klima begrüsst das unvergängliche Plastik sicherlich mit grosser Freude.

1:0 für den Konsumismus.

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